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Versuche mit dem Blaupunkt TravelPilot RGS 08, Teil 1

Im Januar 1999 habe ich meine bisherige Blaupunkt TravelPilot Navigationsanlage (RGS 05) gegen die neuere Variante RGS 08 austauschen lassen. Neben der deutlich besseren Bildschirmdarstellung (jetzt 5" TFT Display, vorher 4" Farb-Display) war es insbesondere die folgende Ankündigung, die mich aufhorchen ließ.

Es sollte nämlich die gleiche Funktionalität geboten werden  von einem sog. "Gyroskop" und dem Anschluss an das Tachosignal wie bislang durch die verwendeten Radsensoren an zwei Radfelgen und den elektronischen Magnet-Kompaß. Wie sollte das gehen ? Gyroskop, hieß das etwa, dass ein Kreiselkompass eingebaut wäre. Ich habe noch keinen gesehen, aber immer die Vorstellung gehabt, dass solche Geräte größer sind als die ganze Navigationseinheit mit dem integriertem GPS-Empfänger, dem "Gyro" und dem CD-Player  (ca. 18 x 7 x 17 cm). Im Internet konnte ich mich überzeugen, dass solche Kreiselkompasse wirklich nicht als Bestandteil im Gehäuse Platz fänden.

Die Neugier war geweckt und sie war unwiderstehlich !

Als die Anlage dann eingebaut war, begann ich, kleine Versuche damit anzustellen, die mir meine eigenen Fragen beantworten sollten. Zunächst wollte ich ja einmal wissen, ob nun doch ein Kreiselkompass dafür verantwortlich war, dass das Gerät mir bei der Fahrt immer plausible Hinweise auf die jeweilige Nordrichtung lieferte. Diese kann man auf dem Bildschirm nämlich in der Form eines Pfeils ablesen und es sah eigentlich immer sehr vernünftig aus, was ich da sah. Ein Magnetkompass war aber nicht vorhanden (der alte war ja inzwischen ausgebaut) - woher wusste das Gerät aber dann, wo Norden war ? Doch ein Kreiselkompass ? Da konnte vielleicht der folgende Versuch Auskunft geben: Was würde geschehen, wenn man bei abgestellter Anlage - das lässt sich nur durch Abschalten der Zündung erreichen - die Richtung des Autos verändert. Ein Kreiselkompass würde ja nach erneutem Einschalten nach einiger Zeit wohl wieder die neue Nordrichtung finden. Ohne Genaueres zu wissen, vermute ich allerdings, dass dieser Vorgang wahrscheinlich längere Zeit dauern müsste. Wie aber sollte ich bei abgeschalteter Zündung - und damit ohne die Hilfe des Motors - das Fahrzeug alleine in eine andere Richtung bringen ? Ich stellte mich einfach an einem abschüssigen Straßenstück auf. Der Motor wurde ausgeschaltet und nach einigen Minuten die Handbremse gelöst. Das Fahrzeug rollte abwärts und unten konnte ich mit dem vorhandenen Schwung dann einfach noch die Richtung ändern. Jetzt war ich gespannt, was beim erneuten Einschalten der Pfeil auf dem Display zeigen würde. Wie erwartet, hatte ich den "Kompass" jetzt überlistet, denn nun zeigte mir der Pfeil trotz inzwischen veränderter Richtung des Wagens noch immer die gleiche, die alte Richtung als Norden an. Ich blieb nun längere Zeit mit eingeschaltetem Gerät an gleicher Stelle stehen, aber es war nicht die geringste Neigung des Pfeils auf dem Bildschirm zur Korrektur seines "Irrtums" festzustellen. Damit glaube ich nun nachgewiesen zu haben, dass ein Kreiselkompass ausgeschlossen werden kann, denn der hätte zumindest nach längerer Zeit eine Neigung zur Veränderung seiner Anzeige erkennen lassen müssen.

Wenn ich nun aber mit dem Fahrzeug wieder losfahre, dauert es nur ca. 100 m bis dann plötzlich die richtige Nordrichtung wieder auf dem Bildschirm angezeigt wird. Woher bezieht denn aber nun beim Fahren die Anlage diese Information ?

Meine Meinung ist, dass es der GPS-Empfänger sein muss, der die Fahrtrichtung "erkennt". Natürlich kann er bei Stillstand des Fahrzeugs nicht wissen, in welche Richtung die Frontscheibe des stehenden Vehikels weist, aber sobald sich das Auto bewegt, genügt die Auswertung zweier - oder ggf. mehrerer - zeitlich aufeinander folgender Positionsbestimmungen (jeweils die geographische Länge und Breite), um daraus den gefahrenen Kurs - und damit auch die Nordrichtung - zu berechnen. Dies tun auch kleine Hand-GPS-Empfänger, die ja beim Gehen auch gleich die Richtung anzeigen. Wie man aber weiß, haben diese Geräte die unangenehme Eigenschaft, auch beim Stehen einen vermeintlichen Kurs anzuzeigen, der dann ganz konfus wechselt. Das rührt daher, dass die Positionsbestimmung fehlerbehaftet ist und zwei aufeinander folgende Messwerte auch bei Stillstand meist nicht gleich ausfallen. Wenn aber zwei von einander abweichende Positionswerte nacheinander gemessen werden, dann wird daraus immer gleich auch der Kurs berechnet und angezeigt. Vernünftige Kurswerte ergeben sich auf diese Weise nur dann, wenn man schnell genug geht. Im Auto aber wird durch den Tachowert zuverlässig festgestellt, ob der Wagen stillsteht. In diesem Fall wird dann eine Kursberechnung sinnvollerweise unterbleiben.

Es wird außerdem noch vom System festgestellt, ob man vorwärts oder rückwärts fährt. Dies wird durch Abgreifen der Spannung am Rückfahrscheinwerfer erkannt.

Heute (12.3.1999) ging ich der oben geäußerten Vermutung genauer nach. Ich wollte wissen, ob die Auswertung zeitlich aufeinander folgender GPS-Standortbestimmungen zur Bestimmung der Fahrtrichtung herangezogen wird. Dazu zog ich einfach den Stecker zur GPS-Antenne aus dem Gehäuse des TravelPilot-Rechners. Wie vermutet zeigte sich dann eindeutig : Ohne GPS weiß das System (trotz funktionierendem Gyroskop) auch nach längerer Fahrt auf nicht digital erfasstem Gelände nicht, wo Norden liegt.

Ein weiterer Quell der Freude ist die Möglichkeit, am Gerät ein sog. Service-Menü aufzurufen. Dort gibt es einen Menüpunkt "Sensor-Test", der einem folgende Sensorwerte anzeigt : Gyro, Radsensor (der dann doch benötigt wird, wenn in dem jeweiligen Fahrzeugtyp kein Tachosignalanschluss verfügbar ist), Tacho-Weg (als Zahlenwert zwischen 0 und 65535), Tacho-Geschwindigkeit (in km/h) und die Richtung (vor- bzw. rückwärts).

Zunächst interessierte mich natürlich die Anzeige des "Gyrowertes": Im stehenden oder geradeaus fahrenden Auto wird ein Zahlenwert von 512 angezeigt. Bei Linkskurven wird die angezeigte Zahl kleiner, bei Rechtskurven größer.

Was misst nun dieser "Gyro" oder "Drehratensensor" ? Dieser Frage spüre ich auf der folgenden Seite etwas genauer nach.

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Meine ersten Erfahrungen mit dem Vorgängermodell (RGS 05)

Letzte Berichtigung : 08.01.2002