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Sprachliche Merkwürdigkeiten.

Vorbemerkung : Da ich erkannt habe, dass diese Seite oft nur "versehentlich" besucht wird - etwa als Folge eines Rechtschreibfehlers bei der Eingabe eines Begriffes für eine "Suchmaschine" - habe ich den Eindruck, dass ich außer purer Spöttelei über mancherlei Ausrutscher vielleicht auch da und dort etwas an Hintergrundinformation mitliefern sollte. So könnte dann der unbeabsichtigte Besuch noch mit einem kleinen Gewinn verbunden sein. Es würde mich freuen, wenn Sie das dann so sehen könnten - und nicht etwa nur ärgerlich "abdrehten"!

Damit Sie nicht unnötig lange nach den neuesten Beispielen suchen müssen, habe ich die letzten Aktualisierungen durch einen blaugrünen Hintergrund kenntlich gemacht.

Gelegentlich sehe ich Grund, mich über Bedenkliches und Merkwürdiges in unserem täglichen Sprachgebrauch zu wundern.

Eher anstößig finde ich zum Beispiel den viel gebrauchten Begriff :  Rechtsextremes Gedankengut,

weil doch wohl in der Regel damit eine Bewertung gemeint ist, zu der der Wortteil "gut" nicht passen will. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass manche Sprecher, wenn sie wirklich sagten, was sie wertend meinen, eigentlich nicht einmal den Wortteil "Gedanken" dafür zuzulassen dürften - oder sehe ich das falsch?

Vielleicht eher doch, denn ich fand noch nie jemand Anstoß nehmen!

Besonders überrascht war ich unlängst, als ich sogar Herrn Spiegel (Zentralrat der Juden) diesen Begriff verwenden hörte. Der kann doch wohl nicht wirklich meinen, was er da sagt!

Bedenken werden auch geweckt, wenn ich sehe, dass wir in unserer Muttersprache schon kein eigenes Wort mehr für unser kostbarstes Gut besitzen, nämlich unsere "Babys"!

Oder kennen Sie eines ......          ..., das Sie auch gebrauchen?

Und das geht mit den nächsten Altersstufen gleich weiter so, nämlich mit Kids und Teenies.

Nun, vielleicht erlauben Sie einem Grufti, der nie Englischunterricht hatte, die Frage : Müsste es nicht eigentlich "babies" heißen?

Jüngeres Beispiel (Dezember 2002): Ein sog. "Humanist", der sich in einer Sendung namens "Kulturzeit" für klassische Bildung, insbesondere die Vermittlung des Altgriechischen, stark macht und das mangelnde Sprachverständnis (Pisa-Studie) beklagt, verlautbart : "Bildung seiner selbst willen" - und die sog. Moderatorin wiederholt das gleich noch einmal. (3sat, 10.12.2002, 19.46 Uhr). An solchen Leuten scheint sich freilich das angesprochene Bildungsideal gleich selbst ad absurdum zu führen.

In der gleichen Sendung sagt die genannte Moderatorin : "Im März diesen Jahres". Wenn dieser Fehler uns normalen Menschen vielleicht verziehen werden kann, so macht er sich in einer sog. Kultursendung doch eher schlecht

Was mag wohl die "Motivation" vieler Sprecher in den "öffentlich Rechtlichen" dafür sein, dass sie immer häufiger von "einer Millionen" reden? Hoffen wir doch, dass diese Leute vor dieser sprachlichen Fehlentscheidung nicht ihr gesamtes "Hirnschmalz" mit einer begründenden Überlegung verbraten haben mögen!

Nun aber schnell zu eher amüsanten Beispielen. Da ich die gesammelten Kuriositäten gern belegen möchte, habe ich, so weit ich konnte, die Fundstellen mit aufgeführt. Es fällt sicher auf, dass ich gern den so ungemein bedeutenden deutschen Bildungsborn nutze: Unser liebes öffentlich-rechtliches Fernsehen! Wie mag es wohl erst bei den "Privaten" zugehen?

Hier also weitere Beispiele :

Am 19.07.2006 war von Frau Bernadette Schoog um 19:26 Uhr in der Landesschau Baden-Württemberg zu vernehmen, man sei in Pforzheim auf ein "Grabgelege" gestoßen!

Das verflixte "r" : 

Normaden, (Stadtnormaden 18.1.2000 13:50, ARD oder ZDF? - Und überraschend: Ernst Waldemar Bauer, Wunder der Erde, "hessen fernsehen", 14.8.2002 20:55),

Progrom, (unzählige Beispiele in ARD und ZDF)

Förderation (ARD 4.2.2001 15:01) - übrigens: bei diesem "Wort" bekommt noch nicht einmal mein Rechtschreibprogramm Blähungen! Dieses jüngste Beispiel hat übrigens den Entschluss, diese Seite zu schreiben erst ausgelöst.

Und dass auch der "Spiegel" trotz seines Sprachmahners "Zwiebelfisch" nicht frei ist von abenteuerlichen Auffassungen wenn es um (Duden-Zitat:) "Selbstständigkeit der einzelnen Länder innerhalb eines Staatsganzen" geht, kann man hier sehen:

Erbärmlich in einem Politmagazin, nicht wahr?

Ich begann mich für diese "moderne Rechtschreibung" zu interessieren und fand unzählige Beispiele im Internet. Teilweise obwaltet da scheinbar das Prinzip der orthographischen Risikostreuung: Oft sind nämlich in einem einzigen Beitrag richtige und falsche Schreibung grotesk vereint. Auch professorale Quellen sind nicht unfehlbar:

und noch immer: Jetzt in der Tageszeitung (taz.de am 11.10.2011)

Man mag es kaum glauben.

Haben hier die Schreiber vielleicht damit gehadert, dass sie selbst zu wenig Rechtschreib-"Förderung" in der Schule erfahren haben?

 

 

 

Scharmane (ARD, 14.2.2001, 16:58) - charmant, nicht wahr?

zurnächst (oft zu hören in Rundfunk und Fernsehen)

zur Lasten (ZDF, heute am 22.5.2001, 19:09)

Noch schöner : zurnichte (ZDF, heute am 22.4.2001, 19:05) . Meint der Sprecher etwa, dass da etwas oder jemand zur Nichte gemacht wurde?

Mit in die Reihe gehört auch das beliebte "Tartar". Dafür habe ich jetzt keinen Beleg aus den "öffentlich Rechtlichen" aber es findet sich anderweitig so weit verbreitet, dass man wohl jetzt schon mit einigem Bangen die Einführung im "Duden" befürchten muss. 

Man konnte ja in diesen Tagen schon darauf warten - und eben ist es auch passiert : Tu- r-nesien hieß es zweimal in wenigen Minuten im "mittags magazin" (warum wird das übrigens kleingeschrieben?). (15.4.2002 13:03 und 13:07 Uhr MESZ)

Und dann (hatte ich das wirklich richtig gehört?) ein kurioses Beispiel für ein weggelassenes "´r" : Tunier, meinte ich aber doch öfter in den Medien vernommen zu haben, wo man eigentlich "Turnier" meinte. Wenn Sie es nicht glauben wollen, dann sehen Sie doch einfach im Internet nach: Die Suche unter dem Stichwort "Tunier" führt auf eine Fülle von Beispielen, zum Teil sogar aus akademischem Umfeld!

Sakrophag (ZDF-Moderator Niemetz, mindestens 3 mal in einer Sendung. Also kein Versprecher sondern wohl eher "aus Vorsatz und Überzeugung"!). Er ist offenbar auch der Erfinder des stimmhaften "sch" in der deutschen Sprache!

"reo" oder "eor" oder vielleicht "roï"?

Metereologe, (unzählige Beispiele in ARD und ZDF, auch in der FAZ am 25.12.2010)

wirkt auch bei Wiederholung nicht besser:

Asteorid (SWR BW 7.2.2001 13:09), es ist ja auch nicht ganz einfach, denn Meteorit ist ja richtig und es muss ja auch Meteorologie heißen! Jetzt soll man aber plötzlich Asteroid sagen! Da kann man sich schon mal versprechen, finde ich!

Das "y" klingt so "gebyldet" :

Logarythmus, (Mathematiklehrer eines Gymnasiums, nicht nur einer! Ob die wohl auch Logarhythmus schreiben würden?)

Hier ist wegen der inzwischen sehr zahlreichen Besuche mit genau diesem Aussprache- bzw. Orthografieproblem doch eine kurze Erläuterung angezeigt :

Logarithmus und Algorithmus leiten sich von dem griechischen Wort "arithmos" (Zahl) ab - genau so wie das merkwürdigerweise immer richtig gesprochene und geschriebene Wort "Arithmetik" und "arithmetisches Mittel". Man sollte sich also angewöhnen, alle diese Worte gleichartig zu sprechen (mit i, nicht wie ü) und zu schreiben (nie mit y) und schon gar nicht mit "rh"!

Vielleicht gehen die genannten Schwierigkeiten mit diesen Worten auf die klangliche Ähnlichkeit mit dem Wort "Rhythmus" zurück, dessen Wurzel "rhythmos" = Zeitmaß, Takt (und eben nicht "Zahl") im Griechischen wirklich mit aspiriertem r (also rh) und mit y geschrieben wird. Wenn man sich das klar gemacht hat, ist ja alles ganz einfach!

Neolytikum (ZDF, Frau Conrad 8.2.2000 13:40) - Falsch, weil es mit dem griechischen Wort "Lithos" = Stein zu tun hat. Es ist ja auch die Jungsteinzeit gemeint!

"Hypokrates", vielleicht in Analogie zu Hypochonder (ARD oder ZDF). - Falsch, weil der griechische Eigenname "Hippokrates" sich von "hippos" = Pferd ableitet - vielleicht ürsprünglich zu verstehen wie : "Der an Reiterei (Pferden) Überlegene".

Mykrometer (BR-alpha, 10.1.2002, 20:37). Sogar ein leibhaftiger Professor der Nanowissenschaften vom "CeNS" in München (Prof. Dr. Kotthaus) spricht so. Abgesehen von dem nächsten Sprachpatzer "man brauch..."  (gemeint war die 3. Person Einzahl Gegenwart des Verbs "brauchen", gesprochen aber ohne "t", wie übrigens neuerdings auch anderweitig oft zu beklagen! )  war aber der Rest für mich sehr interessant und lehrreich. Da hier ein offensichtlich gebildeter Mensch sprach, machte ich mir Gedanken über mögliche Wege zu diesem auch sonst gelegentlich vorkommenden Ausrutscher: Vielleicht kommt es von dem griechischen Buchstaben my (µ), der im metrischen System für "ein Millionstel" gebraucht wird (z.B: 1 µm für 10-6 Meter). Der Buchstabe heißt ja wirklich "my", die Abkürzung steht aber für "mikro" = klein, wie in Mikroskop. Also bitte - es klingt einfach nicht so falsch - "Mikrometer" oder "Mikrofarad" sagen und "my" nur dann, wenn man den 12. Buchstaben des griechischen Alphabets benennen will! 

Noch mehr Verwirrung stiften manche Wörter, die außer einem "i" auch noch ein "y" beinhalten. Hier wird dann oft die Reihenfolge zum Problem. Es fallen mir im Radio und Fernsehen immer wieder drei Beispiele auf: Libyen (oft wie "Lübien gesprochen), Sibylle und sibyllinisch (oft gesprochen wie "Sübille" bzw. "sübillinisch"), sowie Sisyphos (gesprochen wie "Süsifos"). Immerhin steht aber in allen drei Beispielen das "i" vor dem "y", so dass man sich die richtige Schreib- und Sprechweise ja eigentlich leicht merken könnte.

Auch ein "n" kann eines zu viel sein :

Zum Schmunzeln : Schwesternpartei (ARD 10.2.2000 22:46) und Zwergenstaat Monacco (Griseldis Wenner, 23.2.2000, 17:30) 

Kiefernbruch (ZDF, "heute Mittag" am 31.10.2000 13:53) - übrigens "Schwesternpartei" und "Kiefernbruch" werden von meinem Rechtschreibprogramm nicht moniert, wohl aber "Zwergenstaat".

Nicht zuletzt fällt mir, dazu passend, jene in einer der unzähligen Kochsendungen bislang schon mehrmals aufgetauchte Zutat "Gelantine" ein. Es war darüber immer wieder einmal von einem blond "aufgenordeten" Fernsehkoch (ZDF?) zu hören, dessen Name mir aber leider nicht erinnerlich ist.

BR, 26.1.2003, 18:54: Um Reichtum wird gebeten - gemeint war aber sicherlich (das ergab sich aus dem Kontext) : Um Reichtum wird gebetet!

weiter geht es mit "Vermischtem" :

Lange Zeit hatte ich ja vermutet, dass ich falsch gehört haben musste als es hieß : "Eine Millionen". Das konnte doch nicht wirklich sein! Ja, ich musste mich verhört haben. Nun gibt es aber auch die Chance, dem ZDF genauer auf die Finger zu sehen, nämlich bei : www.heute.t-online.de. Dort fand ich jetzt, dass ich mich wohl doch nicht verhört hatte, denn da stand nun am 7.08.2002 schriftlich : "Prozessor "Cell" schafft eine Billionen Berechnungen pro Sekunde"! - Hätten Sie das für möglich gehalten?

Aufs Geradewohl (Bayerisches Fernsehen, 11.01.2002, 12:48). Dieser Schreib- und Verständnisfehler ist allerdings "atemberaubend" weit verbreitet.

Ingredenzien (Landesschau Baden-Württemberg,17.7.01 10:26)

Assesoires (ZDF Mittagsmagazin 26.6.2000 13:35, und noch immer : ZDF hallo Deutschland 11.7.2001, 17:32; und immer haben sie es noch nicht begriffen: ZDF heute 4.8.2002, 19:05),

Auch eher "denglisch" inspirierte Aussprachen "drängen auf den Markt" : "Dsch"urnalisten, "Dschü"rie, "Dsch"acqueline (ARD 10.6.2000 13:05),

Üblich aber deshalb schon richtig? "Besterhaltenste" Burg (ARD-Buffet, 12.7.2001, 12:50) - Warum dieser zweifache Superlativ?  Vorschlag : "Die besterhaltene" oder "die am besten erhaltene" (und ja nicht "erhaltenste"!) Burg.

Ist es nun eine aus dem Französischen entlehnte Neuerung, mit der wir rechnen müssen, wenn - ich unterstelle einmal - ausgebildete Sprecher, insbesondere z.B. Frau Anja Charlet im ZDF- unsere Sprache plötzlich mit einer Fülle von Nasalen anreichern, oder ist das nur, weil es so chic klingt!

Íbiza ( Betonung auf dem ersten I, Report 31.1.2000 21:38) - klingt doch gleich spannender!. Traditionell deutsche Aussprache, also Betonung auf dem zweiten "i", käme der spanischen Aussprache doch viel näher, weiß denn das keiner beim "Ersten"?

Warum nur muss ein Deutscher den Künstlernamen des Boxers "Muhammad Ali" so aussprechen, wie es am 17.1.2002 so oft zu hören war, nämlich mit kurzem. unbetontem "A" aber langem, betontem "i". Das scheint doch eher wieder dem Kapitel "Sprachliches Imponiergehabe" zugeordnet werden zu müssen. 

Hier einige der zahlreichen Belege vom 17.1.2002: a) 18:10, Vox, b) 18:53 ZDF, Klaus-Peter Siegloch, c) 19:00 ZDF, wieder K. P. Siegloch (also "Überzeugungstäter"), d:) 19:17 ZDF, ein anderer Sprecher, e) 20:15 ARD.

Man muss ja nicht unbedingt Arabistik studiert haben, könnte aber doch einfach nach traditionell deutscher Art aussprechen, also mit langem betontem "A" und unbetontem "i". Es hätte in diesem Fall wieder den Vorteil, dass es dem Arabischen besser angeglichen wäre als die so ungemein beliebte dämliche Ausspracheverrenkung unserer verehrten Vorbilder in den Medien. 

Seit den politischen Ereignissen in Tunesien ist auch wieder von einem "Ali" die Rede. Es ist der 2011 verjagte ehemalige Präsident Ben Ali gemeint. Auch hier wird wieder voll Inbrunst und Wichtigtuerei falsch betont!

Wenn man der Frage nach der richtigen Betonung des arabischen Wortes Ali im Namen oder gleichlautend als Adjektiv mit der Bedeutung "hoch" nachgehen möchte, gibt es zwei einfache Wege: Entweder man fragt einen Muttersprachler oder - neuerdings auch eine ganz interessante Möglichkeit: - man lässt sich das fragliche Wort vom "Google Übersetzer" vorsprechen. Wenn Sie es mal ausprobieren wollen, folgen Sie einfach diesem Weg:

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Übrigens: Mit der "Hohe Damm" ist der Assuan-Staudamm gemeint;

 

To-i-lette (ausgesprochen wie "o" mit nachfolgendem "i", ZDF 14.1.2000 19:29)

"Gefahr im Vollzug" (Südwest BW, 13.3.2001, 21:34 Uhr)

Hatte ich mich verhört? - Ich war mir unsicher, bis ich es heute wieder hörte: "Aus der USA" - hieß es da doch ohne jeden Zweifel (ARD, 1. Programm 5.02.2003, 17:10 Uhr). Weil mir das so unbegreiflich war, schaute ich wieder ins Internet, um zu sehen, ob dieser Fehler denn vielleicht auch andernorts vorkommt - und er kommt, wahrlich massenhaft!: " In der USA"," von der USA"," mit der USA". Hat denn da keiner gemerkt, dass USA ein Plural ist (states) - wie ja auch "die vereinigten Staaten" im Deutschen selbst. Folglich muss es natürlich "aus den USA" heißen. Das sollte sich doch auch schon in den Medien herumgesprochen haben!

Und schon wieder, diesmal sogar von Frau Petra Gerster: "Zwischen der USA und..." (ZDF 8.2.2003, 19:04)!

Jetzt etwas komplizierter - und damit vielleicht auch eher verzeihlich: ARD, 14.2.2003, Tagesschau 17:00: "..so wird den Irakern glauben gemacht ...", statt: "...so werden die Iraker glauben gemacht...".

"das Land gedeihte" (17.2.2003 ZDF, 14:56).

"Eon hat schon abgewunken" (14.11.2003 ZDF "heute", 19:10 Uhr).

"zumindestens" (Frau Anja Charlet am 11.11.2004, 12:14 Uhr, "heute").

Lohnenswert (sogar schon im Duden - und damit hoffähig? Ich halte es eher für eine misslungene Analogbildung zu "lobenswert"!) - Versuch einer Begründung : Lobenswert verstehe ich als Kurzform von: Des Lobens wert. Nach meinem Eindruck fehlt im Deutschen aber das entsprechende Substantiv : Das Lohnen. Man kann also auch schlecht sagen : des Lohnens wert. Wieso sollte man dann aber ungetadelt "lohnenswert" sagen dürfen (statt einfach "lohnend")?  Dass ich mit meinem Missvergnügen an diesem "Wort" nicht ganz alleine bin, zeigte mir eine früher noch zugängliche Internetsite des Seminars für deutsche Sprache und Literatur der Technischen Universität Braunschweig, wo man lesen konnte, was auf einen Aufruf zur Nennung des "Unwortes" für das Jahr 2000 an Vorschlägen eingegangen ist. Da wurde immerhin fünfmal "lohnenswert" genannt. Beim Vergleich mit anderen Vorschlägen "schneidet" dieses Wort offensichtlich "nicht schlecht" ab, d.h. es wird doch von nicht ganz wenigen als "Unwort" empfunden. Neulich habe ich auch hier meine Ansicht bestätigt gefunden.

Das (oder ein) Antibiotika. Erläuterung: Die Mehrzahl von Antibiotikum heißt - dem Lateinischen angelehnt - Antibiotika, die Einzahl aber das "Antibiotikum".

Das (oder ein) Visa. Auch dieses ist eine Mehrzahlform, in der Einzahl muss es "das Visum" heißen.

Als weiteres Sprachkuriosum erscheint mir eine merkwürdig unwidersprochene und überaus gebräuchliche Pluralbildung, nämlich: "Die Castoren" (SWR, BW 8.2.2001, 13:02 und in unzähligen Nachrichtensendungen bei ARD und ZDF). Dass dies inzwischen auch von Angehörigen der sog. "Gebildeten Stände" gedankenlos nachgeplappert wird, kann ja alleine noch kein Argument für den Gebrauch dieser grotesken Pluralform sein! Gemeint sind die "Castor" genannten Behälter zum Transport abgebrannter Brennelemente aus Kernspaltungsanlagen. Als Plural eignet sich vielleicht eher die Form "die Castorbehälter". Sprachlich ist mir "die Castoren" zu wulstig. Aber offenbar gehöre ich da zu einer kleineren Minderheit. Die Mehrheit - und auch unsere großen Vorbilder, die Sprecher in den Medien - fühlen sich offenbar sehr wohl dabei, wenn sie ständig von "Castoren" sprechen. Eine Pluralbildung nach dem Muster : Die Senioren, die Tutoren, die Pastoren, das ist nach meiner Meinung gänzlich unangemessen! Ist diese Pluralform nicht eher für Personen etabliert? Gut, wir kennen natürlich auch : Der Motor, die Motoren! Aber, wie kann man auf den Gedanken kommen, für einen Markennamen (ein Markenzeichen der Firma Gesellschaft für Nuklear-Behälter (GNB) in Mülheim an der Ruhr) diesen, oder überhaupt einen eigenen Plural einführen zu wollen? Das ist doch wohl abwegig! Der "Miele" (-Staubsauger), die "Mielen" , der "Philips", die "Philipse" oder die "Philipsen"? Absurd, nicht wahr? Also, ich bleibe dabei: Für einen Markennamen ist eine eigene Pluralform zu viel der Ehre, auch wenn es bei diesem schönen Namen besonders chic klingt und man sich damit unkritischen Hörern so eindrucksvoll als sprachkompetent und als Insider darstellen kann! Muss man denn jeden sprachlichen Unsinn so lange mitmachen, bis er endlich in den Duden aufgenommen und damit abgesegnet wird, so wie zum Beispiel das oben schon aufgeführte Misswort "lohnenswert"?

Siehe da : In der 22. Auflage des Rechtschreib-Duden ist es schon passiert, was in der 21. Auflage noch nicht zu beklagen war. Castor® ist dort sogar mit zwei Pluralformen aufgeführt : Die Castors und die Castoren. Da sollte man nicht verzweifeln oder in gerechten Zorn geraten? Hat man denn vergessen, dass sich der Markenname Castor® aus der englischen Beschreibung "Cask for Storage and Transport of Radioactive Materials" herleitet? Die letzten beiden Buchstaben stammen also aus den Worten "of Radioactive" und nicht etwa aus einer dem Latein entlehnten Bezeichnung für Berufe oder Tätigkeiten wie etwa Konditor (=Gründer, Schöpfer), Gladiator (=Schwertkämpfer) oder auch Motor (=der Beweger) oder aus einer Steigerungsform wie Senior (=der Ältere), wo wir üblicherweise die Pluralform "-oren" anzuwenden pflegen. Selbst wenn wir "Castor" als Namen gelten lassen wollten, verböte sich eine Pluralform, denn im Deutschen ist es nun mal nicht üblich von Hänsen, Helmuten oder Fritzen zu sprechen. Übrigens wäre auch ein Bezug zur griechischen Mythologie (Castor und Pollux) abwegig weil deren "Funktion" in der Welt der Mythen auch bei angestrengtem Suchen keinen Bezug zu den besagten Behältern hergibt.

Vielleicht nicht so wichtig, aber doch leicht zu beachten wäre: Die aus dem Englischen überkommene Schreibung "kh" in Wörtern wie Khartoum, Aga Khan, Dschingis Khan, Khmer soll den dem Englischen fremden, im Deutschen aber gebräuchlichen Laut "ch" (gesprochen wie in "Bach") bezeichnen. Es ist doch eher kurios, wenn wir im Deutschen trotzdem "Aga Kaan" sprechen oder "Kartuum" sagen. Über den Namen "Khomeini" müsste ja endlich auch der Duden etwas bemerkt haben, denn dort findet sich, an anderer Stelle zwar, aber immerhin, auch die Alternativschreibweise "Chomeini". Nun die Leute vom Duden werden das eben genauso als "K"omeini aussprechen, und in Analogie zu unserer normalen Aussprache des ch vor a, o und u ist das ja eigentlich auch gut begründet.  

Aus ähnlichem Grund - also der "Originaltreue" wegen - sollten wir vielleicht auch eher "Kalkatta" als "Kalkutta" sagen.

Im Spanischen sind mir übrigens zwei als richtig etablierte Wörter aufgefallen, die manch einem unbefangenen Beobachter doch eher als "Lapsus Linguae" oder Orthografiefehler erscheinen könnten: cocodrilo (Krokodil) und abogado (Advokat, Rechtsanwalt).

Und dann mein Kampf gegen Windmühlen: "Ch"emie (gesprochen wie das "ch" in "ich") oder gelegentlich sogar "Sch"emie. Auch wenn es vielleicht weniger fein (weil "süddeutsch") klingt und der angeblichen Herkunft aus dem Griechischen widerspricht, ich finde dennoch : Man sollte ruhig "K"emie sagen.

Versuch einer etymologischen Begründung: Das Wort stammt vermutlich vom äqypt. "kemet" = schwarze, fruchtbare Erde. "Alchemie" dürfte sich aus dem arabischen "al kimia´" herleiten und das "Al" kann doch nun wirklich auch von den Verehrern althumanistischer Gymnasialbildung nicht ernsthaft dem Griechischen zugeschrieben werden.

Von all dem ganz abgesehen nun noch der Versuch eines phonetischen Plädoyers: Auch im Deutschen wird ja Chemnitz mit anlautendem K gesprochen! Also: Gehet hin und sprechet auch "K"erubim (Cherubim) - ja und am besten auch gleich "K"erusker (Cherusker), das geht doch sicher auch leichter von der Zunge! In den meisten anderen Sprachen - inklusive dem sonst so sehr als Vorbild geltenden Englisch - wird bei "Chemie" ein anlautendes "K" gesprochen.

Den phonetischen Gepflogenheiten der eigenen Muttersprache zuwider hört man auch aus dem Fernsehen immer wieder Achilles, Achim, Baldachin gesprochen mit dem "ch" von "ich". Warum nur, warum? Nun immerhin ein Beispiel fällt mir ein, wo man diese Aussprache wohl "zu Recht" anwendet, nämlich das chemische Fachwort "achiral". Letztlich wohl weil es als Ausdruck aus zwei Wörtern verstanden wird, nämlich aus a - im Sinne von "un" oder "nicht" und dem zweiten Wort chiral für "händig" im Sinne einer mangelnden Symmetrie gewisser Moleküle.

Anregung: Eine Suche nach den unkonventionell geschriebenen Wörtern hat auch im Internet Erfolg : Normaden, Progrom, Logarythmus (man wird sogar unter Logarhythmus fündig). Es ist amüsant zu sehen, dass auch Forschungsberichte aus universitären Quellen (Herzchirurgie) von einem "Algorhythmus" schreiben und "Algorythmus" findet sich zuhauf. Da fühlt man sich mit seiner eigenen Rechtschreibschwäche doch immerhin in guter (nämlich akademischer) Gesellschaft! Einmal fand ich auch Neolytikum, merkwürdigerweise aber kaum einen Beleg für "Metereolog.", aber durchaus für "Sakrophag", "zurnächst" und "Scharmane"! Und im Netz wimmelt es nur so von "Castoren".  Auch für den "Kiefernbruch" und "Zwergenstaat" finden sich zahlreiche Beispiele, auch "Gefahr im Vollzug" findet sich häufig, lohnenswert wird anscheinend nur an einer Stelle als falsch moniert! (Nein! Siehe weiter oben!) Ein Visa, das Visa und :  "Auch meine Kinder haben ein Antibiotika nicht vertragen" ...  da kommt doch Mitleid auf, oder?

Neuerdings stelle ich schmunzelnd fest, dass immer wieder einmal jemand auf dieser Seite landet, wenn er eine der oben aufgeführten unorthodoxen orthografischen Formen bei einer Suchmaschine  eingetippt hat. Leider findet er dann nicht etwas zu dem von ihm gesuchten Thema sondern erhält nur einen Hinweis auf die "falsche" Schreibung. Hoffentlich können auch die so düpierten Besucher schmunzeln, wenn sie merken, warum sie auf diese Seite verwiesen wurden.

Zu bedauern sind auch die immer zahlreicheren Zeitgenossen, die - des Abends in Balzstimmung geraten - eigentlich Informationen über Frau Anja Charlet suchen aber auf dieser Seite einen Text vorfinden, der nicht die erwartete Verehrung ausdrückt sondern lediglich über die näselnde Artikulation spöttelt. - Pardon! 

Die Seite wurde erstellt am 6.2.2000

Letzte Änderung : 15.11.2011