Gehversuche mit einem GPS-Messempfänger für Real-Time-Kinematik (SAPOS® - HEPS - RTK) - Teil 4

Meine Freude über die neu erworbene Unabhängigkeit von bekannten Koordinaten ließ mich zu folgender Versuchsplanung um die Ortschaft Schuttern kommen:

Die vier roten Punkte waren die Standorte des Tachymeters und ihre Koordinaten waren mit dem RTK-Gerät bestimmt worden. Um auch auf die Sicht zu den jeweiligen Fernzielen - was manchmal eine gewisse Sucherei erforderlich machen konnte - verzichten zu können, bestimmte ich an den blau markierten Stellen jeweils wieder "per RTK" die Lagekoordinaten und stellte dort als Orientierungsziel einen Reflektor auf. Die Richtungswinkel vom rot markierten Standort zum jeweiligen blauen Zielpunkt war dann leicht zu berechnen, weil ich ja die Koordinaten vom Tachymeter und dem zugehörigen blauen Zielpunkt kannte. Über den gemessenen Winkel zwischen dieser Richtung zum Zielpunkt und der Richtung zur Helmstange auf dem Kirchturm waren dann auch die Richtungswinkel vom Standort zum Kirchturm leicht zu berechnen und daraus - zusammen mit den entsprechenden Werten die vom nächsten roten Punkt gemessen wurden - über einen Vorwärtseinschnitt die Lagekoordinaten des Kirchturms zu gewinnen.

Natürlich erwartete ich jetzt sehr ordentliche Ergebnisse, denn aus der Skizze ist ja ersichtlich, dass jeweils zwei rot markierte benachbarte Standorte vom Kirchturm aus gesehen halbwegs im rechten Winkel angeordnet waren, und das ist ja die angestrebte günstige Punktlage für den Vorwärtseinschnitt. Die Abstände des Tachymeters vom Turm betrugen im Durchschnitt ca. 550 m.

Nun, wenn Sie vom Vermessungsfach sind, sehen Sie sicher schon, dass meine Erwartungen sich wahrscheinlich nicht erfüllt haben werden und wissen auch - im Gegensatz zu mir damals noch - warum! Hier also die Abweichungen von den Sollwerten:

Die Nummern der roten Punkte sind P1(oben rechts), P2 (oben links), P3 (unten links) und P4 (unten rechts).

Standortpaar
Abweichung im Rechtswert
Abweichung im Hochwert
P1-P2
-1.4 cm
-25.5 cm !!
P2-P3
-14.1 cm
-6.0 cm
P3-P4
-1.5 cm
-2.9 cm
P4-P1
11.1 cm
-11.7 cm

Sogar nach einer Ausgleichung blieben noch unerfreuliche 7.3 cm Lageabweichung zu beklagen und das trotz meiner sehr sorgfältigen Winkelmessungen (es wurde auch immer schön in Lage I und Lage II gemessen!). Trotzdem aber zeigte sich bei Einsetzen der Sollkoordinaten des Kirchturms, dass manche der gefundenen Richtungswinkel um bis zu 17 und 18 Milligon falsch sein mussten. Wie ist das zu erklären?

Nun, ich meine, dass das Problem darin begründet ist, dass die Reflektoren auf den blauen Punkten zu nahe bei den roten Punkten standen (Abstände von 73 bis 106 m). Ich hatte bei diesen geringen Entfernungen zwar den Eindruck besonders genau "zielen" zu können, aber bei solcher Nähe wirkt sich dann schon eine kleine Lageungenauigkeit des Reflektors und des Tachymeters auf den gemessenen Richtungswinkel stark verfälschend aus. Das Zielen klappt zwar gut, aber kleine Lageungenauigkeiten machen diesen Vorteil wieder zunichte. Ich werde also künftig doch wieder Orientierungsziele in mindestens 1 km Entfernung anpeilen - das habe ich jetzt gelernt!

Die Seite wurde erstellt am 25.07.2005,

letzte Aktualisierung: 25.07.2005