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Wie kann man die Raumstation MIR am Himmel direkt beobachten ? 

 

Abschied von der MIR.

Weil mir die neuerdings zahlreicheren Besucher auf dieser Seite aufgefallen sind, habe ich seit längerer Zeit wieder einmal selbst nach der MIR geschaut. Der von "heavens-above.com" vorausgesagte Durchgang war mit den folgenden Daten angekündigt : 6.03.01, Mag: -0,7, Starts Time: 18:52:53, Alt: 10°, Az: WNW, Max.Altitude: Time: 18:55:06, Alt: 41°, Az: NNE, Ends : Time: 18:57:13, Alt: 10°, Az: E.

Als ich nun vor die Tür trat, war der Himmel aber noch so hell, dass nur ganz wenige Sterne zu sehen waren. Vor allem in westlicher Richtung fürchtete ich daher, kaum etwas beobachten zu können. Aber siehe da: Es war ein besonders schön sichtbarer Durchgang, den ich bis weit hinab in östlicher Richtung verfolgen konnte, wo die MIR um 18:57:17 in den Erdschatten eintauchte.

Es wurde mir in diesen Minuten bewusst, dass ich die MIR dabei vielleicht zum letzten Mal gesehen habe. Heute früh (7.3.01) haben wir hier Regenwetter - und wer weiß ob es in den nächsten Tagen noch einmal freie Sicht zum Himmel geben wird.

Eigentlich schade, nicht wahr ? -  Ich werde dann eben nach der neuen internationalen Raumstation ISS Ausschau halten müssen, die ich auch schon öfter von hier aus auf ihrer Bahn am Himmel verfolgt habe.

Der folgende Text kann also bezüglich der MIR bald nur noch als "historische Reminiszenz" angesehen werden !

Es ist erst wenige Tage her (genau war es am 4.2.1998) dass ich die russische Raumstation MIR, die wir ja alle von Übertragungen aus dem Weltraum im Fernsehen kennen, bewusst am Abendhimmel habe vorbeiziehen sehen - und das mit bloßem Auge. Ich könnte mir gut denken, dass diese Möglichkeit gar nicht so allgemein bekannt ist und will deshalb beschreiben, wie man selbst solche Beobachtungen machen kann.

Wie man weiß, zeigt ja heutzutage ein Blick zum Nachthimmel nicht immer nur die stillstehenden Sterne und Planeten. Häufig kann man feststellen, dass ein vermeintlicher Stern bei näherem Hinsehen doch keiner sein kann, weil er sich mit auffallender Geschwindigkeit am Himmel bewegt. Meist sind es Flugzeuge, die helle Scheinwerfer eingeschaltet haben. Immer dachte ich aber auch, es könne ja wohl mal ein Satellit gewesen sein, den ich da gesehen hatte. Da man die Entfernung im allgemeinen nicht abschätzen kann, ist auch unklar, wie schnell sich das Objekt bewegt. Wie sollte man also herausfinden, ob es doch ein Satellit gewesen ist ? Man müsste, so dachte ich mir, genau den Fahrplan und die Helligkeit einzelner Satelliten kennen, wenn man sicher sein wollte, dass es nicht doch wieder nur ein Flugzeug war. Inzwischen habe ich gelernt, bei derartigen Fragen mal im Internet nachzuschauen - und siehe da, ich wurde fündig und möchte die Entdeckungen gleich weitergeben.
 

  • Eine zum Starten vorzüglich geeignete  Adresse ist die wunderbare Seite von "heavens-above.com", wo man die Zeiten für die Sichtbarkeit verschiedener Satelliten abfragen kann. Ein Besuch dort lohnt sich. Man erfährt auch von MIR die Zeiten und die Himmelsrichtungen, sowie die jeweilige Höhe am Himmel ("Elevation" in Winkelgraden über dem Horizont). Als erste Information und zur Schaffung eines Überblicks ist dies sicher gut und wichtig. Man gibt dort zunächst die geographische Länge und Breite des Beobachtungsortes ein - am besten unter: Specify your location manually. Erwartet werden die Angaben im Format GG.GG (Grad), also für Rheinau zum Beispiel : 48.67 (aus 48 Grad 40 Minuten nördl. Breite) und 7.94 (aus 7 Grad und 56 Minuten östliche Länge). Dann ist der Name des Standortes, also etwa Rheinau einzugeben und danach noch die Zeitzone, die man aus einem Drop Down Angebot anklicken kann, also GMT + 1 für Rheinau. Nach diesen Vorbereitungen erscheint die GSOC Satellite Visibility - Home Page, wo man z. B. die Raumstation MIR durch anklicken auswählen kann (MIR Prediction for the next 10 days). Es kommt die Seite: Mir Visible Pass Summary, auf der für 10 Tage die Durchgangsdaten erscheinen. Wenn man allerdings genaue Zeiten haben will, empfiehlt es sich, jeweils den aktuellen (oben stehenden) Tag durch Anklicken auszuwählen, weil nach meiner Erfahrung die Genauigkeit der Berechnungen doch recht deutlich von der Aktualität der Bahnparameter abhängig ist. Diese Parameter werden offenbar jeden Tag berichtigt. Auf der nächsten Seite erscheinen dann die Visible Pass Details wie: Erscheinen über dem Horizont, Erreichen von 20 Grad Elevation (Höhe über Horizont in Grad), maximale Elevation und Eintritt in den Erdschatten. Es werden die Zeiten (in Sekunden-Genauigkeit) angegeben, die Elevation, die Himmelsrichtung (Leider nicht genauer als: N, NE, E - Nord, Nord-Ost, Ost) und die Entfernung der Station vom Beobachtungsort in Kilometer). Wenn man dann in der dritten Zeile auf dieser Seite Mir anklickt, kommt man auf die Seite : Information on Satellite Mir. Dort sind die erwähnten Orbitel-Parameter in zwei Zeilen zu finden (die sog. Two-line elements, TLE) . Wenn man diese Seite an zwei verschiedenen Tagen aufschlägt, kann man sehen, wie sich diese Daten bei der Aktualisierung teilweise deutlich ändern.

 

    Mit diesen Informationen ausgestattet, kann man sich nun draußen hinstellen und erwartungsvoll zum Himmel blicken. Die Station erscheint pünktlich - wobei allerdings der Aufgang am Horizont im allgemeinen schon wegen der Lufttrübung nicht beobachtet werden kann. Spätestens aber in der Höhe von 20 Grad sieht man die Station dann auch mit bloßem Auge sehr schön. Ihre Helligkeit ist meist größer als die aller Sterne und - insbesondere im Zenitbereich - ist die Geschwindigkeit beeindruckend. Besonders aber beeindruckt mich dann das ziemlich plötzliche Verschwinden, wenn die MIR in den Erdschatten eintritt. Es wird dabei das vorher so helle Objekt ziemlich schnell (1 - 2 Sekunden) dunkel und ist dann völlig unsichtbar.

 

  • Es war wie so oft: Eine beantwortete Frage zieht zwei und mehr neue Fragen nach sich. Wenn man draußen steht, beginnt man sich um eine Orientierung am Sternhimmel zu kümmern. Das eine oder andere Sterbild ist auch einem Astronomielaien bekannt. Ich kannte halt den großen Wagen, die Cassiopeia und den Orion. Auch den Polarstern wusste ich zu finden. Aber da gab es doch eine Menge zum Teil recht heller Sterne, die ich nicht kannte - und welcher davon war vielleicht ein Planet ? Es war unvermeidlich, dass ich wieder im Netz zu suchen begann. Es gibt dort wahrlich zur Astronomie reichlich Informationen, auch internationale und eine deutsche News Group(s) (etwa: sci.astro, sci.astro.amateur und de.sci.astronomie). Als einen besonderen Glücksfall aber habe ich empfunden, dass ich auf die Seiten von Manfred Dings gestoßen bin - und das wahrlich nicht nur deswegen, weil man von dort wunderbare Software kostenlos herunterladen kann. Mich hat besonders beeindruckt, wie dort mit famoser Sachkenntnis von einem Musik-Professor all die Dinge gemeistert werden, für die ich mich zu interessieren begonnen habe und die mir selbst noch zu schwer fallen: Die Mathematik zur Berechnung der Gestirnsorte am Himmel in ihrer Abhängigkeit vom Beobachtungsort und der Zeit. Ich darf vielleicht hoffen, dass ich mit der Zeit auch etwas davon begreifen werde, damit ich dann hoffentlich einige meiner eigenen Fragen beantworten kann: Wie kann ich mit meinem Theodoliten die Koordinaten meines Standortes mit der Hilfe der Sterne bestimmen ? - Nun inzwischen (Beginn 2000) ist dies gelungen und hat in eine Reihe von Applets Eingang gefunden !
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    Bei dieser Gelegenheit noch eben: Es soll, so habe ich mit großer Verwunderung im Internet gelesen, möglich sein, auch am Tage den Polarstern mit dem Theodoliten anzupeilen. Sie können sich denken, wie ich mir die Haare raufte, als ausgerechnet an diesem Tag Wolken die Sicht zum Himmel blockierten ! Selten habe ich den nächsten wolkenlosen Tag so herbeigesehnt! Bei all diesem Frust blieb mir nur, diese Zeilen zu verfassen, gewissermaßen als Ersatzhandlung !

    Neueste Meldung : Hurra, es ist tatsächlich gelungen : Ich habe den Polarstern am helllichten Tag beobachten können. Es war am 10.2.1998 in der Zeit von 13:19 Uhr MEZ bis 13:44 Uhr: Ich habe immer wieder neu (jeweils völlige Neueinstellung des Theodoliten) den Polarstern angezielt und ihn - zwar sehr schwach, aber eindeutig - sehen können. Dazu war allerdings die genaue Kenntnis der Stelle am Himmel erforderlich und die Möglichkeit, genau diese Stelle anzuzielen, sonst wäre die Suche völlig aussichtslos ! Ich habe die Position für die jeweilige Zeit aus dem Programm VSky entnehmen können, daher fühle ich mich Manfred Dings erneut zu besonderem Dank verpflichtet. Ich hatte mir am Vorabend die kleine Abweichung der Position am Himmel von der mit VSky berechneten Position notiert und wendete diese kleine Korrektur dann auch am nächsten Tag an - und siehe da, es klappte ! Wer hätte das gedacht ! Man kann also den Polarstern auch am Tage ausmachen.

    - und nicht nur ihn, wie die folgenden 7 Zeilen (aus dem Monat April 2000) zeigen :

    Zum Thema Sichtbarkeit heller Sterne am Tage habe ich weiter probiert und dabei einige hellere Sterne beobachtet, z. B. am 22.3.2000 : Capella, Beteigeuze, Aldebaran, Vega, Altair, Procyon, Rigel, Pollux - nicht aber den Polarstern, trotz angestrengter Suche ! Zu den leichteren Übungen gehört es, die Venus und den Jupiter bei Tage auszumachen.

    Für planmäßige Suche nach Sternen am Tage habe ich auch ein hilfreiches Applet gebastelt, das einem Listen für die Positionen wählbarer Sterne (Planeten leider noch nicht !) zu wählbaren Zeiten mit großer Genauigkeit ausrechnet. Ein weiteres Applet liefert Hilfe, wenn es darum geht, bei der Vorbereitung vom Standpunkt des Theodolits aus die exakte astronomische Nordrichtung zu bestimmen

    Nun aber zu dem Programm von Manfred Dings, das mir in den letzten Tagen so viel Neues über den Sternhimmel vermittelt hat. Nach der Eingabe von Ort und Uhrzeit stellt es den Sternhimmel auf dem Bildschirm dar und zeigt auf Wunsch in Echtzeit die Veränderung mit dem Ablauf der Zeit. Es empfiehlt sich sehr, für den aktuellen Abend und die ins Auge gefasste Uhrzeit "den Himmel auszudrucken". So hat man es dann leicht, sich am Himmel zu orientieren. Für die Beobachtung der Mir und anderer künstlicher Satelliten ist es sogar möglich, wenn man zuvor die oben genannten two-line orbital Elemente in einem dazu bestimmten File aktualisiert hat, den Lauf der Station am Himmel als Animation laufen zu lassen und sich dabei auf der vorher ausgedruckten Himmelskarte den Verlauf als Spur einzutragen. Jetzt hat man nicht nur die oben beschriebenen ungefähren Daten über das Erscheinen der Raumstation am Himmel, sondern kann sich draußen schon vorher ganz genau auf den kommenden Durchgang der Mir "am Himmel einrichten".


    Sie sind nun sicherlich auf die Nennung dieser wunderbaren Quelle gespannt: Hier ist sie und es folgt noch ein Screenshot mit der grün dargestellten MIR vom 7.2.1998.

    Vorletzte Berichtigung :  4.4.2000

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    Eine detailliertere Anleitung finden Sie hier

    Letzte Aktualisierung : 08.01.2002